Olympische Winterspiele: Interview mit Landeshauptmann Arno Kompatscher

Sport macht friedliches Miteinander sichtbar

Im Interview spricht Landeshauptmann Arno Kompatscher über die Chancen und Herausforderungen, die die Olympischen Winterspiele Milano Cortina 2026 für das Land Südtirol mit sich bringen. 

Südtirol hat die Ehre, die Biathlon-Wettkämpfe bei der Winterolympiade auszutragen. Was bedeutet dies für unser Land?

Arno Kompatscher: Es ist für unser Land eine große Ehre, Teil der Olympischen Winterspiele Mailand Cortina 2026 zu sein. Südtirol, diese kleine Region im Herzen Europas, darf sich an der größten Wintersportveranstaltung der Welt beteiligen. Das ist etwas Einzigartiges, das wir sicher nicht mehr und vielleicht erst unsere Kinder oder Enkelkinder wieder einmal miterleben dürfen.

Es ist in meinen Augen auch eine Auszeichnung für die qualitativ hochwertigen Wettkämpfe, die in Südtirol jedes Jahr veranstaltet werden. Denken wir an die Skiweltcuprennen in Gröden, Alta Badia oder am Kronplatz, die Tour de Ski in Toblach, den Snowboardweltcup am Karerpass oder Skicross in der Dolomitenregion 3 Zinnen. Ganz zu schweigen von Antholz, dem sechsmaligen WM-Ort und einer der beliebtesten Etappen im Biathlonzirkus. Mit den olympischen Biathlonwettkämpfen stößt Antholz in eine neue Dimension vor.

Es geht jedoch nicht nur um sportliche Leistungen oder Infrastruktur, sondern vor allem darum, Brücken zu bauen und Menschen verschiedenster Nationen in Frieden bei uns willkommen zu heißen. Und: Die Spiele werden auch viele Kinder und Jugendliche animieren, selbst Sport zu treiben.

 

In wenigen Tagen starten die Wettkämpfe im Antholzertal. Sind die Vorbereitungen abgeschlossen?

Was die sportliche Infrastruktur angeht, ist Antholz bereits seit einem Jahr bereit. Das Stadion, die Südtirol Arena, wurde in Hinblick auf die Olympischen Winterspiele um- und ausgebaut. Beim Weltcup im Januar 2025 konnte die Anlage bereits getestet werden und es hat alles reibungslos funktioniert. Die Südtirol Arena, die nach den Olympischen Winterspielen Mailand Cortina 2026 zur Olympic Arena wird, ist für die Zukunft als Weltcup- und WM-Ort bestens gerüstet.

Was andere Bereiche angeht, wie etwa die Mobilität, die Sicherheit oder die medizinische Versorgung, laufen die letzten Vorbereitungen auf Hochtouren. Wir befinden uns überall im Plan und ich bin überzeugt, dass wir – auch dank des großen Zusammenhalts, der Südtirol seit jeher auszeichnet – als Mitveranstalter eine gute Figur abgeben werden.

 

Großveranstaltungen bringen auch Belastungen mit sich. Wie geht Südtirol damit um?

Es wird natürlich versucht, die Belastungen möglichst in Grenzen zu halten. Denken wir etwa an das Transportsystem, mit dem die Fans nach Antholz kommen. Hier setzen wir auf die Bahn, die die Zuschauer nach Olang bringt. Dort können die Besucher dann auf das bewährte Shuttlesystem zurückgreifen, das auch während des Weltcups oder einer Weltmeisterschaft zum Einsatz kommt. Im Antholzertal gibt es während der Wettkampftage zudem drei verkehrsberuhigte Zonen, zu denen man nur mit einem eigenen Autopass Zutritt hat.

Auch in Auer, am Eingang ins Fleimstal, wo die Nordischen Wettkämpfe stattfinden, hat man sich auf den Besucheransturm gut vorbereitet – genauso wie im oberen Vinschgau, das unweit von Bormio (Ski Alpin Männer) oder Livigno (Freestyle) liegt. Ziel ist es, dass die einheimische Bevölkerung möglichst ohne größere Störungen zum Arbeitsplatz oder in die Schule kommt.

 

Welchen Nutzen zieht Südtirol aus Ihrer Sicht aus Olympia?

Die Olympischen Winterspiele Mailand Cortina 2026 sind in erster Linie ein großes Schaufenster – zum einen, um die Schönheit unseres Landes zu zeigen, zum anderen aber auch für Produkte oder Dienstleistungen aus Südtirol.

Mit den Olympischen und Paralympischen Winterspielen Mailand Cortina sind die beteiligten Gebiete Gastgeber und freuen sich auf Besucher aus aller Welt. Das wird auch in Antholz nicht anders sein. Es ist eine Chance, auf unsere Besonderheiten als autonomes Gebiet mit drei Sprachen – deutsch, italienisch und ladinisch – und unsere kulturellen Eigenheiten hinzuweisen. Es ist erstaunlich, dass in Gebieten, die gar nicht so weit entfernt von uns liegen, viele Menschen wenig bis gar nichts über unser Land, unsere Autonomie und unsere Mehrsprachigkeit wissen.

Das dürfte nach den Olympischen Winterspielen Mailand Cortina 2026 anders sein. Südtirol tritt als Modellregion für Europa auf – ein friedliches Miteinander der Kulturen, das durch den Sport weltweit sichtbar wird.

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