Unmut bei Gastwirten

Erneut Erleichterungen für Urlaub auf dem Bauernhof-Betriebe zum Nachteil des heimischen Gastgewerbes
15.07.2013 – Groß ist die Enttäuschung beim Hoteliers- und Gastwirteverband (HGV), nachdem vergangene Woche das Landtagsgesetz zu den erneuten Erleichterungen für Urlaub auf dem Bauernhof-Betriebe verabschiedet wurde. Damit werden neue Erweiterungsmöglichkeiten für Urlaub auf dem Bauernhof-Betriebe auf acht Zimmer bzw. fünf Wohnungen geschaffen.
Urlaub auf dem Bauernhof: Erweiterungsmöglichkeiten vom Landtag genehmigt

Urlaub auf dem Bauernhof: Erweiterungsmöglichkeiten vom Landtag genehmigt

„Die Urlaub auf dem Bauernhof-Betriebe können vom Angebot her eine Bereicherung sein. Da es sich jedoch um eine Nebenerwerbstätigkeit handelt, hätte die bis dato geltende maximale Aufnahmekapazität eigentlich ausreichen sollen. Der Unmut bei den Gastwirten ist nun folglich verständlicherweise groß, da die heimischen Gastbetriebe ständig neu zur Kasse gebeten werden, während konkurrierende Betriebe, welche im Grunde die gleiche Tätigkeit ausüben, enorme Erleichterungen erfahren“, unterstreicht HGV-Präsident Manfred Pinzger.
Gravierend ist die beschlossene Aufstockungsmöglichkeit vor allem deshalb, weil es in Südtirol an die 2.000 Beherbergungsbetriebe im 1- und 2-Sterne Bereich gibt, die durchschnittlich über rund 20 Betten verfügen und mit großen Rentabilitätsproblemen konfrontiert sind. Mit der Erhöhung der Bettenkapazität für Urlaub auf dem Bauernhof-Betriebe erreichen diese die gleiche Betriebsgröße bzw. überschreiten sie durch Nutzung von Kumulierungsmöglichkeiten sogar, während sie auf der Kostenseite wesentliche Vorteile genießen. Fallen beispielsweise für die Anstellung von Mitarbeitern im Bereich Gastgewerbe etwa 40 Prozent an Renten- und Krankenbeiträge an, so sind es im Bereich Landwirtschaft nicht einmal 20 Prozent. „Verständlich, dass unter diesen Vorzeichen viele kleine gastgewerbliche Familienbetriebe im Land keine Zukunft mehr sehen und zu befürchten ist, dass sie das Handtuch werfen. Auch eine erfolgreiche Weitergabe der Betriebe an die nächste Generation erschwert sich unter diesen Umständen zusätzlich“, resümiert HGV-Vizepräsident Gottfried Schgaguler.
Das Unverständnis rührt auch daher, dass die neue Maßnahme nur der letzte Baustein in einer ellenlangen Reihe von Sonderbehandlungen für Urlaub auf dem Bauernhof-Betrieben ist. Zu diesen zählen u. a. die Aufweichung der Eigenprodukteklausel, die Sonderbehandlung bei Hygiene- und Arbeitssicherheitsbestimmungen, die öffentliche Bezuschussung von Rentenbeiträgen sowie die beachtlichen Steuererleichterungen. Man denke hier nur an die Immobiliensteuer IMU, die bei den gewerblichen Betrieben mit beträchtlichen Summen zu Buche schlägt, und bei Urlaub auf dem Bauernhof-Betrieben lediglich einen Bruchteil davon ausmacht. Dies alles während die gewerblichen Beherbergungsbetriebe von ständig neuen Bestimmungen und Auflagen erdrückt werden.
„Abgesehen von unseren kleinen Familienbetrieben, stellt sich natürlich auch generell die Frage, wie lange Herr und Frau Südtiroler, die fleißige Steuerzahler sind, mit ansehen, wie die Belastung von Jahr zu Jahr steigt, während ein Sektor unabhängig von Krisenzeiten und Einsparungsmaßnahmen immer weiter in den Genuss von Erleichterungen kommt“, wirft HGV-Direktor Thomas Gruber ein.
Enttäuscht ist der HGV insbesondere auch über die Tatsache, dass die Politik den Kompromissvorschlag des HGV, nur Betriebe in Berggebieten von den jüngsten Erleichterungen profitieren zu lassen, nicht in Betracht gezogen hat. „In Berggebieten, wo der Landwirt auf einen Nebenerwerb angewiesen ist, und er zudem auch die Landschaftspflege übernimmt, ist an den Erleichterungen sicherlich nichts auszusetzen. In Tallagen allerdings muss man sich wohl zu Recht fragen dürfen, ob ein Nebenerwerbsbedarf besteht, ganz zu schweigen von einem etwaigen Beitrag zur Landschaftspflege, den wir schon angesichts der breiten Verwendung von Hagelnetzen beim besten Willen nicht erkennen können “, gibt HGV-Vizepräsident Helmut Tauber zu bedenken. Es liegt also nahe, dass es der Interessensvertretung der Bauern beim neuen Gesetz nicht um die Sicherung des Zuerwerbs ging, sondern schlicht und einfach um die Schaffung der Möglichkeit, zu günstigen Konditionen in die Beherbergungstätigkeit einsteigen zu können.
„Wahrlich ein Meisterstück an unsensiblem Umgang mit Steuernzahlenden Familienbetrieben, das sich der Landtag da so kurz vor Ende der Legislaturperiode noch geleistet hat“, resümiert HGV-Direktor Thomas Gruber. Und Manfred Pinzger ergänzt: „Einigen allerdings scheint die Brisanz des Themas doch zumindest bewusst gewesen zu sein, was sich im knappen Abstimmungsergebnis widerspiegelt“. Die Gesetzesänderung wurde nämlich mit nur 16 Ja-Stimmen, 11 Nein-Stimmen und 3 Enthaltungen durchgeboxt. „Anerkennung gebührt daher jenen, die in der Artikeldebatte im Landtag für die Belange der kleinen gewerblichen Betriebe in Südtirol das Wort ergriffen haben, und zwar waren dies insbesondere Die Freiheitlichen, Die Grünen, die Süd-Tiroler Freiheit und Wir Südtiroler,“ sagt Manfred Pinzger abschließend.

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