Persönliche Erinnerungen von Josef Plankensteiner, Gründungsmitglied des Gastwirteverbandes

„Im Herbst 1962 machte mich Dr. Christoph Pan (Bruder meines Freundes Georg Pan und Vater des heutigen Präsidenten des Unternehmerverbandes, Dr. Stefan Pan) aufmerksam, dass sich eine Gruppe von Gastwirten trifft mit dem Ziel, einen Gastwirte-Verein zu gründen. So war ich bei der zweiten Sitzung beim „Giuliani“, eine Gaststätte in der Nähe des Siegesplatzes in Bozen, dabei. Zur dritten Sitzung lud ich dann den „Thurner Hiasl“ mit ein. Matthias Thurner vom Hotel „Vajolet“ in Bozen hat noch die Aufgaben des im Jahre 1923 verbotenen Wirtsverein  weitergeführt. Unter anderem hat er dafür gesorgt, dass bei kirchlichen Prozessionen, z. B. zu Fronleichnam, die Bozner Wirte hinter der heute noch bestehenden, großen und schönen „Wirtsfahne“ mitgehen. Es war damals Brauch, dass jene Wirte, welche sich an der Prozession beteiligt haben, zu jenen Wirten gegangen sind, welche nicht teilgenommen haben und dort gratis gegessen und getrunken haben.
Zurück zur Gründung: Die nächste Versammlung war beim Praxmarer Karl, dem „Pfauwirt“ in der Bindergasse. Dann wurde beschlossen, einen „Gastwirte-Verband“ zu gründen. Ich kann mich noch gut erinnern, dass ich sagte, was für einen Verband?  Wäre es nicht besser, wir gründen Gastwirtevereine in den Städten Bozen, Meran, Brixen, Bruneck und schließen uns dann zu einem Verband zusammen, fragte ich. Nein, sagte die Mehrheit, wir gründen gleich einen Verband! Sie haben Recht gehabt!
So traf man sich am 27. November 1962 im Gasthaus „Zwölfmagrein“ des Konrad Stefaner in der Zollstange in Bozen. Um 14 Uhr begann die Versammlung, wo dann beschlossen wurde, den „Gastwirteverband der Provinz Bozen“, wie wir ihn genannt haben, zu gründen. Man wartete auf den Notar, welcher aber nicht kam. Meine Frau rief mich an, ich müsste ins Kaffee zur Arbeit kommen, es sei viel zu tun. Ich musste die Versammlung verlassen.
Der Notar ist dann erst nach 18 Uhr eingetroffen, um die Gründungsurkunde zu verfassen. Als erster Präsident wurde provisorisch Konrad Stefaner gewählt. Dabei muss man vermerken, dass wohl die treibende Kraft Dr. Otto Reiter (später dann Präsident und nach der Fusion mit der Hotelvereinigung 1968 Co- Präsident des neuen HGV mit Max Staffler Hotel Greif/Laurin/Bristol Bozen) aus Sand in Taufers war. Reiter kam immer mit drei bis vier Gastwirten aus dem Tauferer- und Ahrntal zu den Treffen nach Bozen.
Mit der Gründung allein war es ja nicht getan. Nun musste man an die Mitgliederwerbung denken. Man hatte ja kein Büro, Angestellte oder die Medien hinter sich. Es war ja alles unbekannt. Auch bei der Bank, wo man ein Konto eröffnen wollte, mussten einige Wirte mit ihrer Unterschrift haften, um eben dieses Konto eröffnen zu können. So gingen diese zirka 20 Wirte daran, Gastwirte und Gastwirtinnen in Stadt und Land aufzusuchen, um sie als Mitglieder anzuwerben. Dies war nicht immer einfach. Einige waren skeptisch. Auf Ortsebene, wo man persönlich Gastwirte zur Versammlung einlud, waren oft wenige da.
Trotzdem  haben wir den Mut nicht verloren. Man fuhr das Land auf und ab (auf eigene Kosten) und so kam auch der Erfolg.
Inzwischen wurden neue Satzungen erarbeitet. Die erste ordentliche Wahl eine Vorstandes und des Präsidenten konnten abgehalten werden. Als Präsident wurde dann 1964 Josef Theiner aus Bozen gewählt. Das erste Büro wurde in der Streitergasse in Bozen eröffnet, Dr. Reiter brachte einen jungen Pusterer Akademiker und so wurde Dr. Benjamin Stauder erster Geschäftsführer und war dann langjähriger Direktor des Verbandes.
Bei der Gründung des Gastwirteverbandes darf man nicht Dr. Otto Pattis und Dr. Christoph Pan, Präsident und Geschäftsführer des Südtiroler Wirtschafts- und Sozial-Institutes, vergessen zu erwähnen. Diese haben wesentlich zum Erfolg beigetragen, durch Beratung, Unterstützung  und z. Teil am Anfang durch Übernahme der fälligen Sekretariatsarbeit. Ihnen gebührt großer Dank! Ebenso großer Dank gebührt auch den Nordtiroler Kollegen. Ich erinnere mich gerne an Dr. Josef Fink, Nationalratsabgeordneter im Österreicherischen Parlament und Präsident der Wirtschaftskammer, Abteilung Gastgewerbe und Fremdenverkehr, in Innsbruck und Fritz Wilberger aus Seefeld, Präsident der Hoteliervereinigung in Nordtirol, welche uns sehr stark in der Aufbauarbeit unterstützt haben. So wurde daraus eine wirkliche Erfolgsgeschichte.
Wenn ein Spruch sagt, hinter einem starken Mann steht meistens eine starke Frau, so wollen wir auch die Frauen bzw. die Wirtinnen nicht vergessen. Wenn die Männer unterwegs waren, so mussten die Frauen zuhause im Betrieb ihren Mann stellen, deshalb haben sie denselben Verdienst,  wenn heute der HGV auf 50 Jahre erfolgreiche Verbandsarbeit blicken darf.“

 

Josef  Plankensteiner

 

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